Wohnratgeber

Nachmieter finden und Wohnungsbesichtigungen – Stress pur

Wer auszieht, plant meistens einen Neuanfang. Und wer neu anfängt, der lässt zumeist auch etwas zurück. In meinem speziellen Fall heißt das eine Wohnung, für die Nachmieter gefunden werden müssen. Und zwar möglichst schnell.

Diese Geschichte mit den Nachmietern ist immer so eine Sache. Eine Kleinigkeit, eine störende, die die ganze Euphorie über den Auszug eigentlich nicht dämpfen kann. Aber ,,eigentlich“ ist ja auch, wie mein Lehrer immer zu sagen pflegte, ein ganz schlechtes Wort.
Ich machte mir darüber keine Gedanken. Wirklich gar keine. Bis zu diesem denkwürdigen Tag, als mein Handy nicht mehr still stand:

Klingeling. ,,Hallo?“
Hastige Stimme: ,,Tag. Wann kann ich vorbei kommen?“
Ich: ,,Äh, wie bitte?“
Genervte Stimme: ,,Na, wann ich vorbei kommen kann.“
,,Wer sind Sie denn überhaupt und was wollen Sie von mir?“ (In meinem Kopf laufen gerade alle Horror-Filme in Eiltempo ab, die ich je in meinem Leben gesehen habe und wo unschuldige Studenten in ihrer eigenen Wohnung kaltblütig… na, ihr wisst schon.)
Extrem genervte Stimme, dramatischer Seufzer: ,,Also, Sie ziehen doch da bald aus. Und ich möchte mir Ihre Wohnung ansehen.“
Ich war geschockt. Aber dazu hatte ich keine Zeit. Denn mein Handy klingelte den ganzen Tag und zwar ununterbrochen. Ich quatschte mit mir völlig fremden Leuten und wusste nicht einmal, woher diese meine Nummer herhatten. Denn wir hatten noch kein Inserat aufgegeben.

Meine Wohnungsgesellschaft hat doch ganz dreist meine Handynummer wild verteilt, ohne mich oder sonst irgendjemanden darüber in Kenntnis zu setzen. Ich habe mich natürlich sofort beschwert und ab sofort wurde uns jemand zugeteilt, der diese Suche für uns übernehmen sollte.
Zwei Wochen später rief sie mich an, um einen Besichtigungstermin auszumachen. ,,Ich bringe dann ein paar Leute mit.“
,,Ja, gut. Wieviele werden es denn so ca.?“
,,Aaaach, nicht so viele. Um diese Zeit ist in dieser Branche nicht soviel los.“
,,Aha.“

Ich hätte nie gedacht, dass soviele Menschen in unsere dreieinhalb Zimmer-Wohnung hinein passen. Wir wohnen im obersten Stockwerk – die Schlange der Besucher reichte bis zum Haupteingang ins Erdgeschoss. Es war der reinste Wahnsinn und wirklich wohl war mir dabei nicht, hunderte von Menschen durch meine Privatsphäre spazieren zu sehen, als wäre es schon ihr eigener Grund und Boden. Aber das gehört eben dazu und erzeugt wohl nur beim ersten Mal ein unwohles, seltsames Gefühl im Bauch.

Geschlagene Stunden später nickte die Dame dann zuversichtlich, während sie durch die Zimmer hüpfte und beschwingt die Lichter ausknipste. ,,Also, ich denke, hier sollte jemand passendes dabei gewesen sein. Wir werden keinen weiteren Termin benötigen.“ Flötete sie beherzt und stolzierte von dannen. Atemlos blieben wir zurück.
Ein Orkan hat durch unsere Wohnung gewütet, uns fehlten einfach nur noch die Worte.

Tja. Diese Wohnungsgesellschaften kennen manchmal einfach nichts. Zuerst haben sie meine Handynummer ungefragt weiter gegeben und wollten mir dazu sogar noch weis machen, das wäre ihr Recht. Und schließlich mussten wir uns dieser Tourtour aussetzen, dass sich hunderte von Menschen unsere bewohnte Wohnung ansehen, während wir wie unartige Schulkinder in der Ecke standen und entschuldigende Worte murmelten, wenn wir einmal im Weg standen. Nein Danke, nie wieder. Das nächste Mal organisiere ich das selbst.

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